Die fünf Hilfsorganisationen Brot für die Welt, medico international, Misereor, terre des hommes und Deutsche Welthungerhilfe haben im Jahr 2005 das Bündnis »Entwicklung Hilft - Gemeinsam für Menschen in Not« gegründet, um bei Not- und Katastrophensituationen ihre Kräfte besser bündeln zu können. Die genannten fünf Hilfsorganisationen sind weltweit tätig und leisten Entwicklungshilfe in Afrika, Asien und Lateinamerika.
Die aktuelle Katastrophe in Südasien ist Anlass, mit folgendem Appell nachdrücklich auf die dort notwendige langfristige Hilfe hinzuweisen.
Die Menschen entlang der Küsten des Indischen Ozeans brauchen unseren sofortigen Beistand. Sie benötigen unmittelbar Trinkwasser, Nahrungsmittel, Medikamente und Brennstoffe, um ihr Überleben sichern zu können – und sie brauchen vor allen Dingen auch unsere langfristige Unterstützung, um für eine dauerhafte Überwindung der durch die Flutkatastrophe verursachten Schäden sorgen zu können.
Noch ist das ganze Ausmaß der Zerstörung nicht bekannt. Doch es steht bereits fest, dass es Jahre dauern wird, um alle Dörfer wiederaufzubauen, die verloren gegangenen Fischerboote zu ersetzen, neue menschenwürdige Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, Gesundheitsstationen und Schulen zu renovieren und all die seelischen Erschütterungen zu bearbeiten, welche die Erfahrung von extremem Leid und der Verlust von Angehörigen bei den Menschen angerichtet haben.
Das Entsetzen angesichts der Schreckensmeldungen, die uns erreichen, ist groß; die Hilfsbereitschaft ist es glücklicherweise auch. Weltweit übernehmen Regierungen, Organisationen und viele einzelne Menschen Verantwortung. Dabei muss das Ziel, neben der Milderung der akuten Not, gerade auch die Beseitigung jener Umstände sein, die Menschen schutzlos den Gewalten von Naturkatastrophen ausliefern . Naturkatastrophen mögen in vielen Fällen unabwendbar sein; das Maß der Auswirkungen aber ist beeinflussbar und kann verringert werden. Dort allerdings, wo Krieg, Menschenrechtsverletzungen und Armut herrschen, wo Misswirtschaft besteht und sich die Politik wenig um das Gemeinwohl kümmert, sind die Menschen am verletzbarsten durch Naturkatastrophen.. Es sind immer die Wohngebiete der ärmsten Gesellschaftsgruppen, die den Naturgewalten am meisten ausgeliefert sind. Sie haben keine Chance, durch Bankrücklagen oder Vorräte ihre Zukunft auch im Katastrophenfall abzusichern. Jede Naturkatastrophe weist in krasser Weise auf bestehende gesellschaftliche und internationale Gerechtigkeitsprobleme hin. Das ist die Lehre, die wir nicht erst aus der Flutkatastrophe in Südasien ziehen.
Das Bündnis »Entwicklung Hilft« ruft zu einer nachhaltigen und langfristigen Unterstützung der Menschen in den Flutregionen auf. Schon jetzt gilt es, nicht nur Wiederaufbauprogramme einzuplanen, sondern auch langfristige Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Schutz der Menschenrechte. Ohne lokale Partner, ohne die maßgebliche Beteiligung der Menschen in den Katastrophengebieten ist weder eine bedarfsgerechte Planung, noch die spätere Durchführung von Hilfsprogrammen möglich. Gerade diese langfristige Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen und Unterstützung der Zivilgesellschaft vor Ort ist ein Kennzeichen der Organisationen des Bündnisses »Entwicklung Hilft«.
Die Erfahrung zeigt, dass die wirksamste Hilfe diejenige ist, die der Not nachhaltig vorbeugt. Wie schlecht es aber heute um eine sinnvolle Vorbeugung bestellt ist, zeigt, dass in der vom Seebeben betroffenen Region zwar kostspielige Kriege geführt wurden und werden und aufwändige Sicherheitsapparate zur Unterdrückung des eigenen Volkes finanziert werden, nicht aber die nötigen Vorkehrungen getroffen werden, um Menschen wirksam vor Naturgewalten zu schützen.
Notwendig ist eine umfassende soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Hierfür ist eine Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit unerlässlich. Notwendig ist außerdem ein Schuldenerlass und die Einrichtung fairer Handelsbeziehungen, um armen Länder wirksame Maßnahmen der Katastrophenvorbeugung, wie insbesondere ein Tsunami-Frühwarnsystem zu ermöglichen. Weiterhin müssen die Zivilgesellschaft und entsprechende Selbsthilfeorganisationen von Menschen in Regionen, die einem besonders hohen Katastrophenrisiko ausgesetzt sind, unterstützt werden.
All dies hängt auch davon ab, in welchem Maße die Industrieländer ihre Mitverantwortung und Solidarität wahrnehmen. In diesem Zusammenhang rufen wir auch zu einer Berichterstattung auf, die sich der Not und den Ursachen der Not auch dann noch annimmt, wenn wieder andere Schlagzeilen im Vordergrund stehen.