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Mädchen und Krieg

Das Risiko, ein Mädchen zu sein. Sexuelle Gewalt im Krieg

Vor einigen Jahren veröffentlichten italienische Zeitungen mehrere Fotos, die 1993 in Somalia aufgenommen wurden. Eines davon zeigte einen italienischen Soldaten der UN-Friedensmission, der eine junge Somalierin vergewaltigte. Dieses Foto machte sichtbar, was Kriege und bewaffnete Konflikte für Frauen und Mädchen bedeuten. Neu für die Öffentlichkeit war, dass ein UN-Soldat, Mitglied einer Friedensmission, der Täter war.

Das Foto machte deutlich, was in vielen Kriegsgebieten Praxis ist: Die Vergewaltigung von Frauen und Mädchen wird heute von verschiedenen bewaffneten Gruppen als Teil der Militärstrategie. Der Missbrauch und die Vergewaltigung von Frauen und Mädchen ist nicht, wie oft angenommen, ein spontaner Übergriff, sondern Teil einer Vernichtungsstrategie gegen die Zivilbevölkerung.

Frauen und Mädchen sind nicht nur innerhalb der Kriegszonen bedroht, sondern ebenso auf der Flucht. Grenzübertritte können besonders bedrohliche Situationen sein. Auch in Flüchtlingslagern gibt es für sie keine unbedingte Sicherheit. Nahrungsmittel und Ausweispapiere müssen mitunter mit sexuellen Dienstleistungen bezahlt werden; Tätigkeiten wie Holzsammeln und Wasserholen können lebensgefährlich werden. Flüchtlingsfrauen sind überall gefährdet. Auch in deutschen Flüchtlingsunterkünften - so ist einem Tagungsprotokoll des Deutschen Roten Kreuzes von 1995 zu entnehmen - sind Frauen nicht vor sexuellen Übergriffen sicher. Daher wurden an verschiedenen Orten spezielle Unterkünfte für Flüchtlingsfrauen eingerichtet.

Hilfe für Opfer

Es gibt verschiedene Formen von Gewalt in Kriegen, bei denen Kinder zu Opfern werden. Soldaten nehmen sich Teenager gewaltsam zur Frau. Minderjährige dienen sich der Guerilla an, in der Hoffnung, so ihre Familie schützen zu können. Die Welle der kriegerischen Gewalt tötet nicht nur, sie zerstört auch Familienstrukturen und Dorfgemeinschaften, lässt Kinder alleine zurück. Die Älteren unter ihnen fristen ihr Leben als Straßenkinder in den Städten oder sichern sich ihren Unterhalt durch Prostitution. Ihre Kunden sind häufig Soldaten.

Die psychosoziale Rehabilitation von Vergewaltigungsopfern ist schwierig, da die betroffenen Frauen und Mädchen oft aus Angst vor Rache durch die Täter oder aus Scham nicht über die erlittene Gewalt sprechen. Um ihnen helfen zu können, haben Organisationen wie das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) ein umfangreiches Hilfsangebot entwickelt, das den Schutz der Opfer in den Vordergrund stellt. Dass ihnen geholfen werden muss, steht außer Frage - zu schwer belastet diese Gewalterfahrung die Zukunft der Frauen und die ihrer Kinder.

Auch wenn der Krieg vorbei ist, tragen Frauen schwer an den Folgen des Krieges: Als Überlebende müssen sie ihre Familie ernähren und nicht selten um Landrechte kämpfen. Soldaten übertragen die gewalttätigen Verhaltensmuster des Krieges auf ihre familiären Beziehungen. Für Kambodscha beispielsweise bedeutet dies einen dramatischen Anstieg der Gewalt gegen Frauen. In Phnom Penh ist im Januar 1997 das erste Frauenhaus eröffnet worden, das Gewaltopfern Zuflucht bieten soll. Diese Hypothek des Krieges belastet die Gesellschaft zusätzlich zu allen materiellen Zerstörungen.

Mädchen als Kindersoldaten

Im Jahre 2001 legte die internationale Koalition gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten einen »Global-Report« vor. Darin ist auch ein Kapitel enthalten, das sich mit der Situation von Mädchen in bewaffneten Konflikten befasst. Darin heißt es:

Nicht nur Jungen mit Gewehren sind Kindersoldaten: Auch Mädchen werden in vielen Ländern als Soldaten eingesetzt, allerdings generell in geringerem Umfang als Jungen. Beispielsweise wurden in Sri Lanka systematisch junge tamilische Mädchen, oftmals Waisen, durch die oppositionellen Befreiungstiger für Tamil Eelam (LTTE) rekrutiert. Sie werden »Vögel der Freiheit« genannt und für Selbstmordanschläge ausgebildet, da sie die Sicherheitsmaßnahmen der Regierung besser umgehen können.

Mädchen sind besonderen Risiken ausgesetzt. Vergewaltigung, sexuelle Sklaverei und Missbrauch sind weit verbreitet. Es gibt jedoch auch Berichte über die Ausbeutung von Jungen zu solchen Zwecken.

Sogar in den Streitkräften der industrialisierten Länder, bei denen man eigentlich von zivilisierterem Umgang ausgehen sollte, sind junge Rekruten - und besonders Mädchen - Schikanen und Missbrauch ausgesetzt. In den vergangenen Jahren wurden unter 18jährige Rekruten in der britischen Armee schikaniert und erniedrigt, dies schloss Scheinhinrichtungen, Simulation von Vergewaltigungen, »Regimentsbäder« in Erbrochenem und Urin und das erzwungene Essen von Schlamm ein.

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