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Aktion »Straßenkind für einen Tag«

Inhaltsverzeichnis
Logo der Aktion

José hat kein leichtes Leben: »Wir müssen kämpfen, um zu überleben«, sagt er. Der Zwölfjährige lebt auf der Straße. Ein rundes Dutzend Kinder gehört zu seiner Gruppe, die in der peruanischen Hauptstadt Lima unterwegs ist. »Es ist schwierig, gute Schlafplätze für die Nacht zu finden«, erzählt José. »Oft hat man Ärger mit Hausbesitzern oder der Polizei.« Um nicht zu hungern, müssen die Kinder betteln oder kleine Jobs übernehmen – Parkplätze bewachen, Müll sammeln, und manchmal gibt es auch für ein paar Stunden Arbeit auf dem Markt. Um den Hunger und die Kälte nicht zu spüren, schnüffeln die meisten Kinder Klebstoff – eine billige, gefährliche Droge, die das Gehirn auf Dauer schwer schädigt.



Sichtwechsel: Für einen Tag mit dem Bauchladen unterwegs.
Foto: terre des hommes

Für deutsche Kinder und Jugendliche sind solche Lebensbedingungen kaum vorstellbar. Deshalb ist es umso wichtiger, sich einmal näher damit zu beschäftigen, wie Kinder in anderen Teilen der Welt leben. Um Kindern diese Erfahrung zu vermitteln, hat das Kinderhilfswerk terre des hommes den Aktionstag »Straßenkind für einen Tag« ins Leben gerufen. Jeweils am 20. November ziehen an vielen Orten in Deutschland Kinder durch die Straßen, die für einen Tag in die Rolle von Straßenkindern schlüpfen: Sie putzen Autoscheiben an Tankstellen, bauen Hütten aus Kartons und Plastikplanen auf dem Bürgersteig, oder verkaufen Kleinigkeiten aus dem Bauchladen. Die TV-Moderatorin Barbara Schöneberger, die selbst Straßenkinderprojekte in Indien besucht hat, ist die Schirmherrin des Aktionstages.

Der Termin ist nicht zufällig: Am 20. November 1989 wurde die Kinderrechtskonvention von den Vereinten Nationen verabschiedet. Dieser Katalog der Kinderrechte garantiert allen Kindern der Welt grundlegende Rechte: Kinder haben ein Recht auf Schutz vor Krieg und Gewalt, vor Ausbeutung, aber auch ein Recht auf Unterricht und Ausbildung.



Schwere Last: Straßenkind in Bombay
Foto: Marian Bremer

Straßenkindern werden diese Rechte vorenthalten: Sie haben keine Chance auf Schulunterricht, keinen Platz zum Spielen, keinen Schutz vor Angriffen. Ziel des Aktionstages »Straßenkind für einen Tag« ist es, auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. »Wir wollen, dass Straßenkinder zur Schule gehen können und ein sicheres Zuhause haben«, sagt Alexander, der genauso alt ist wie José und im Ruhrgebiet lebt. »Darum haben wir mit unserer Klasse beim Aktionstag mitgemacht, und auch beim nächsten Mal sind wir wieder dabei.«

terre des hommes stellt für Schulklassen und Kindergruppen Unterrichtsmaterial zur Verfügung, damit diese die Aktion gut vorbereiten und die Erfahrungen anschließend auswerten können. »Globales Lernen« ist das Ziel: Über den eigenen Tellerrand hinausblicken und lernen, was in anderen Teilen der Welt geschieht.

Für Alexander war der Aktionstag im letzten Jahr ein tolles Erlebnis: »Dabei wurden wir auch manchmal angepflaumt, wir sollten lieber zur Schule gehen, statt auf der Straße rumzulungern«, erzählt er. »Aber die meisten haben verstanden, worum es uns geht, als wir es ihnen erklärt haben.« Und nicht zuletzt konnte seine Klasse insgesamt mehr als 300 Euro sammeln, mit denen terre des hommes-Projekte für Straßenkinder gefördert werden. So hat Alexander mit seiner Klasse eine wichtige Erfahrung gemacht: Es lohnt sich, gemeinsam etwas zu tun!

Das Kinderhilfswerk terre des hommes fördert Schutzzentren und Bildungsprogramme für Straßenkinder in vielen Ländern. Sie können diese Arbeit mit Ihrer Spende unterstützen.

Straßenkinder sind wie Blumen

Wünsche von Straßenkinder in Maputo
Foto: terre des hommes

Straßenkinder sind wie Blumen, die nicht zertreten werden dürfen. Millionen von ihnen kämpfen um ihr Überleben. Armut, Hoffnungslosigkeit und Gewalt treiben sie auf die Straße.

Für sie gelten jedoch die gleichen Rechte wie für alle anderen Kinder auf der Welt. Sie haben ein Recht auf unsere Hilfe. Deshalb gehen jedes Jahr in vielen Ländern Kinder und Jugendliche auf die Straße, um an das Übereinkommen über die Rechte der Kinder zu erinnern, das am 20. November 1989 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde.

Bei der Aktion »Sichtwechsel – Straßenkind für einen Tag« schlüpfen in Deutschland Kinder und Jugendliche für einige Stunden in die Rolle von Straßenkindern, um auf deren Situation hinzuweisen und um Solidarität zu werben.

Straßenkinder mit Projektmitarbeitern in Mosambik
Foto: terre des hommes

Im letzten Jahr beteiligten sich ca. 3000 Kinder und Jugendliche bundesweit an der Aktion. Sie putzen Schuhe, musizierten in der Fußgängerzone, wuschen Autoscheiben und informierten Passanten an Info-Ständen.

In diesem Jahr steht das Projekt »Meninos de Mosambique« in Maputo, Mosambik im Vordergrund der Aktion. Das Zentrum leistet praktische Hilfe für Straßenkinder in Maputo um von der Straße weg zu kommen. Kreative Aktivitäten wie Malen und Theaterspielen stärken das Selbstvertrauen; psychologisch geschulte Mitarbeiter versuchen zu erfahren, was die Jungen und Mädchen auf die Straße getrieben hat.

»Ich würde gerne etwas Richtiges lernen, aber ich gehe schon seit mehr als zwei Jahren nicht mehr zur Schule. Ich mochte im Unterricht besonders Portugiesisch.
Ich spiele sehr gerne Fußball; jeden Samstag treffen wir uns mit Mitarbeitern von Meninos des Mozambique und anderen Straßenkindern zum Kicken. Wir sind fast 50, die regelmäßig kommen. Ich bin immer Verteidiger.«


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